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Die Linke und die Liebe

Radikale Linke sind bekanntlich nicht in der Lage Liebesbeziehungen zu führen ohne den Kapitalismus zu diskutieren. Schließlich ist die Familie die Keimzelle des Staates wie schon der _preußische Staatsphilosph Hegel wusste. Familie seit die empfindende Einheit der Liebe, in „welcher die Frau ihre substantielle Bestimmung hat.“ (Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, S. 319). Zweck des Ganzen sei die Produktion von Kindern, die als künftige Steuerzahlerinnen und Soldaten den Staat am Laufen halten. (Hegel, S. 330)

Gegen solcherlei Funktionalisierung der Liebe in der bürgerlichen Ehe erfanden Linke die Freie Liebe. Was den Spießern verpönt war, wurde zur Gegennorm der Nonkonformen. ‚Wer zwei mal mit der selben pennt gehört schon zum Establishment.‘ Alternativ-Mackertum as it’s best. Feinsinnigere Varianten führen aus, dass Paarbeziehung und Eifersucht nur eine Spiegelung des Eigentums wären. Auch der große Aufklärer Kant hatte ja die Ehe definiert als einen Vertrag zwischen den Eheleuten „zum wechselseitigen Gebrauch ihrer Geschlechtseigenschaften.“

Da die radikale Linke gerade nicht in der Lage ist das Privateigentum an Produktionsmitteln aufzuheben, versucht sie stattdessen den vermeintlichen Eigentumsanspruch in der Liebe aufzuheben. Diejenigen, die das für eine Strategie gegen Staat, Kapital und Patriarchat halten, nennen das das wohltönend Polya®mory. Armor und Amor, Liebe als Waffe. Aber wenn schon der Communismus, laut Brecht, die einfache Sache ist, die schwer zu machen sei, so verhält es sich auch mit der Polyarmory.

Rein materiell, also auf die wirklichen Verhältnisse bezogen, ist schon die Zeitzuteilung in diesem System dem Ganzen eher hinderlich. Bei 8 Stunden Arbeit und 8 Stunden Schlaf bleiben ja nur noch 8 Stunden für Konsum und Socializing. Die Anzahl der Menschen mit denen ich Kontakt haben kann ist demnach zeitlich (und räumlich) beschränkt. Diese nennen wir Freunde, wenn wir über unsere Probleme reden und feiern gehen. Oder GenossInnen, wenn wir über Weltprobleme reden und feiern gehen. Oder eben PartnerInnen, wenn wir nach dem Reden und Feiern noch zusammen nach Hause gehen und uns Suppe vorbeibringen, wenn der eine oder die andere ne Grippe hat. Um nicht völlig den Überblick zu verlieren und auch mal alleine sein zu können, nicht reden zu müssen, beschränkt sich die Menschenauswahl oft auf einen Freundeskreis, eine WG, eine Gruppe und eine Zweierbeziehung. Das ist pragmatisch, weniger anstrengend und schmerzvoll als polyarmouröse Experimente. Aber natürlich muss es auch dafür eine kapitalismuskritische Theorie geben. In Wirklichkeit sei eben nicht die Eifersucht Ausdruck des Eigentumsprinzips, sondern die Polyarmory sei Ausdruck des Tauschprinzips. Wenn die Liebe, wie Martin Dornis sagt, die ‚Illusion ist, dass es nur einen oder eine geben kann‘, dann ist polyarmouröses Funktionensplitting nichts anderes als die Austauschbarkeit von Individuen und damit so lieblos wie das Kapital. Die Dinge bleiben also kompliziert. Nur auf die Idee völlig auf Liebesbeziehungen zu verzichten sind auch die Linken noch nicht gekommen. Zum Glück.

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